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Ungarn schließt die Grenzen

19. Mar. 2020

Ein regierungsfreundlicher Kolumnist begrüßt die Entscheidung der Regierung, die Landesgrenzen nicht weiter offen zu halten. Sein linker Kollege dagegen behauptet, dass die Schließung der Grenzen nur ein weiterer propagandistischer Trick sei und die Menschen im Kampf gegen die Coronavirus-Epidemie alleingelassen würden.

Levente Sitkei von Magyar Nemzet befürwortet den Beschluss des Kabinetts, die Grenzen Ungarns zu schließen. Es sei eine vernünftige Maßnahme, die eine „Rückkehr zur Normalität“ markiere. Das aktuelle Vorgehen sei geboten, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. Der regierungsnahe Kommentator wertet den gegenwärtigen Notstand als Beweis dafür, dass Europa kein einheitliches politisches Gebilde darstelle und allein die Nationalstaaten fähig seien, im Krisenfall zu handeln. Die Lage im Hinblick auf das Coronavirus belege, „dass keine europäischen Interessen und Werte existieren“, so Sitkei.

Zoltán Batka wirft der Regierung vor, sie ignoriere die Realität und lasse die Ungarn in ihrer Not zurück. Das Kabinett, so der linke Kolumnist der Tageszeitung Népszava, habe in den vergangenen Jahren Kriege gegen alle möglichen imaginären Feinde geführt und in seiner Propaganda behauptet, es verteidige Ungarn gegen alle Arten von angeblichen Bedrohungen. Unter dem Vorwand, die Souveränität zu verteidigen, habe die Regierung das Bildungswesen geschwächt, die wissenschaftliche Gemeinschaft verfolgt und das Gesundheitssystem ausbluten lassen.
Dass Ungarn nunmehr „diesem kleinen Virus“ schutzlos ausgeliefert sei, habe etwas mit den geschilderten Maßnahmen zu tun, unterstellt Batka und fährt fort: Die Entscheidung der Regierung zur Schließung der Grenzen sei lediglich ein weiterer Propaganda-Gag, der die Coronavirus-Epidemie nicht werde aufhalten können. Der Kolumnist geht sogar so weit zu behaupten, dass die Ungarn im Kampf gegen die Pandemie von ihrer Regierung verlassen und auf sich allein gestellt seien.

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