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Ungarische Verteidigung eines rumänischen Fußball-Offiziellen vor Rassismusvorwurf

16. Dec. 2020

Während die Presse im benachbarten Rumänien die ungarische Tageszeitung Magyar Nemzet für deren Verteidigung eines rumänischen Offiziellen lobt, der sogar von seiner eigenen Regierung angegangen wurde, ist ein konservativer Kommentator empört über „Versuche internationaler Gremien, Nationalsprachen zu überwachen“.

Skandal in der Champions League: Letzte Woche wurde das Fußballspiel zwischen Paris Saint Germain und Istanbul Başakşehir unterbrochen und musste am nächsten Tag fortgesetzt werden, nachdem die Spieler gegen eine als rassistisch empfundene Bemerkung des rumänischen Ersatzschiedsrichters Sebastian Coltescu protestiert hatten. Coltescu meldete dem Hauptschiedsrichter ein in seinen Augen ihm gegenüber beleidigendes Verhalten des Assistenztrainers der türkischen Mannschaft, Pierre Webo, einem ehemaligen kamerunischen Nationalspieler. Da der Hauptschiedsrichter ebenfalls Rumäne war, wurde das Gespräch in rumänischer Sprache geführt. Als dieser ihn aufforderte, ihm den Trainer zu zeigen, sagte Coltescu: „Ala negru“, was auf Rumänisch „der Schwarze“ bedeutet. Beide Mannschaften verließen daraufhin nach nur 14 Minuten Spielzeit das Feld in der Annahme, dass Coltescus Bemerkung rassistisch sei. In Wirklichkeit ist „negru“ einfach das rumänische Wort für „schwarz“ und kein abwertendes Wort. Das rumänische Schiedsrichterteam wurde sofort nach Hause geschickt. Zudem entschuldigte sich der rumänische Minister für Jugend und Sport, wobei er seinen Landsmann scharf kritisierte. Die regierungsnahe ungarische Tageszeitung Magyar Nemzet schrieb daraufhin einen wütenden Kommentar, in dem diejenigen kritisiert werden, die den rumänischen vierten Schiedsrichter beschimpften hatten, ohne zu verstehen, was eigentlich passiert war. Dieser Kommentar stieß in den rumänischen Medien auf ein äußerst positives Echo. Coltescu beharrt auf seiner Unschuld. Eine Untersuchung des Vorfalls durch die UEFA ist im Gange.

Internationale Gremien sollten den Ungarn oder Rumänen nicht vorschreiben, wie sie in ihrer eigenen Muttersprache zu reden hätten, schreibt István Krómer auf Mandiner. Der Kommentator geht gar nicht darauf ein, ob der Assistent des türkischen Trainers afrikanischer Abstammung war oder nicht. (Wie übrigens auch die den rumänischen Schiedsrichter verurteilenden Medien nicht. Auf den Bildern vom skandalösen Spiel ist jedenfalls keine „schwarze“ Person erkennbar – Anm. d. Red.)
Krómer geht es vielmehr um die Frage, warum man den Vereinigten Staaten in ihrem ständig wechselnden Sprachgebrauch nacheifern sollte. Neger sei sogar noch in den 1950er Jahren völlig akzeptabel gewesen; erst in jüngerer Zeit sei es durch das Wort „schwarz“ ersetzt worden, das nach wie vor verwendet werde, zum Beispiel im Namen der Black Lives Matter-Bewegung. Der politisch korrekte Ausdruck laute jedoch „Afroamerikaner“.
Aber, so fragt Krómer, wie stehe es um die Bürger der übrigen Staaten? Sollten sie Schwarze „Afro-Franzosen“ oder „Afro-Deutsche“ nennen? Im Rumänischen und im Ungarischen hätten „néger“ oder „negru“ überhaupt keine beleidigenden Konnotationen, betont der Gastkommentator. Wenn heutzutage jemandem Rassismus vorgeworfen werde, müsse sich der Angesprochene rechtfertigen und könne leicht in Ungnade fallen, kritisiert Krómer.

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