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Kann Ungarn noch russische Militärhubschrauber kaufen?

9. Mar. 2016

Ein bekannter Publizist aus dem liberalen Lager befasst sich mit einem heiß umstrittenen Thema aus dem Bereich Militärwesen. Es geht um die Frage, ob Ungarn wohl ein Risiko eingehen und ungeachtet amerikanischer Warnungen russische Militärhubschrauber kaufen oder generalüberholen würde.

Auch wenn bislang öffentlich nicht angekündigt, so könne eine zukünftige ungarisch-russische Zusammenarbeit im Rahmen einer Erneuerung der überalterten Militärhubschrauberflotte Ungarns nicht ausgeschlossen werden, schreibt Endre Aczél in Népszabadság. Der bekannte Diplomatie- und Militärexperte verweist darauf, dass der ungarische Verteidigungsminister Csaba Hende bereits vor zwei Jahren eine Ausschreibung über den Ankauf von Hubschraubern versprochen hatte. Bisher sei jedoch nichts passiert. Für den Erwerb von 30 neuen Hubschraubern wären laut Aczél rund 170 Milliarden Forint zu veranschlagen, doch einen derartigen Posten suche man im Haushalt 2016 vergeblich. Im Folgenden erinnert der Autor daran, dass Washington Viktor Orbán vor dessen jüngster Moskau-Visite (vgl. BudaPost vom 19. Februar) angeblich davor gewarnt habe, anstatt Nato-Maschinen Hubschrauber aus russischer Produktion zu kaufen. Nach den Gesprächen habe die Regierung bestritten, das Thema auch nur angeschnitten zu haben. Die Russen jedoch würden sterben für die Möglichkeit, auf dem europäischen Rüstungsmarkt Fuß zu fassen, heißt es in der Analyse. Es bestehe also durchaus die Möglichkeit für ein Geschäft zwischen Putin und Orbán – auch wenn sie nicht wirklich sehr groß sei.
Während andere Visegrád-Staaten ihre Hubschrauber Made in Russia bereits verschrottet hätten oder dies gerade täten, habe in Ungarn die Flotte überlebt. Allerdings müssten die Mi-8 und Mi-17 nach Angaben von Aczél dringend repariert oder generalüberholt werden. Angesichts der geplanten Erweiterung des Atomkraftwerkes in Paks (vgl. BudaPost vom 20. November 2015) oder des Erwerbs von schwedischen Gripen-Kampfflugzeugen anstatt amerikanischer Maschinen vom Typ F-16 durch die erste Regierung Orbán warnt der Experte: Die Amerikaner müssten Wind davon bekommen haben, in welchem Maße der ungarische Ministerpräsident zum Geschäftemachen mit denjenigen geneigt sei, von denen er den größten Gewinn zu erwarten habe. Und die Russen würden gerne ein verlockenderes Angebot unterbreiten als andere Hersteller – vorausgesetzt, so Aczél, Ungarn erteile einer Generalüberholung seiner Hubschrauberflotte eines Tages grünes Licht.

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